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Kraftfahrzeugschein im Fahrzeug = Gefahrerhöhung bei Diebstahl?

Oranienburg (FSR). Aus Sicht des OLG Celle (Urteil vom 21. 12. 2010 zum Az. 8 U 87/10) – nein, zumindest wenn das Fahrzeug mit einer elektronischen Wegfahrsperre ausgestattet ist!!!! Folgender Fall lag der Entscheidung zugrunde. Nach dem Diebstahl seines Fahrzeuges nahm der Kläger seinen Kaskoversicherer in Anspruch. Dieser wandte ein, dass der Kläger seinen Fahrzeugschein gewohnheitsmäßig im Fahrzeug belassen habe, so dass hierdurch eine Gefahrerhöhung im Sinne des Versicherungsvertragsgesetzes eingetreten und daher eine Kürzung des klägerischen Schadensersatzanspruches um 60 % vorzunehmen sei. Hiergegen wandte sich der Kläger mit seiner Klage und bekam letztlich durch das OLG Celle Recht. Dem Kfz-Schein komme zwar unabhängig von etwaigen rechtlichen Erwägungen zumindest aus tatsächlichen Gründen eine Legitimationswirkung zu, so das OLG Celle. Bei (Routine-) Kontrollen der Polizei werde diese von einer näheren Überprüfung ab-sehen, wenn der Fahrzeugschein vorgelegt werde. Zu prüfen sei jedoch, ob die dauernde Aufbewahrung des Fahrzeugscheins im Handschuhfach zu der Entwendung des Fahrzeugs geführt hat oder hierdurch der Schaden beim Diebstahl vergrößert wird. Das OLG Celle kommt letztlich zu dem Ergebnis, dass im Falle des Vorhandenseins einer Wegfahrsperre das Risiko eines Diebstahls nur unwesentlich gesteigert wird. Zum Diebstahl werde es vermutlich nur kommen, wenn der Täter sich bereits mit dem erforderlichen Vorsatz sowie den erforderlichen Werkzeugen und Kenntnissen dem Fahrzeug genähert hat – unabhängig vom Fahrzeugschein im Handschuhfach.