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Der Idealfahrer fährt Richtgeschwindigkeit

Oranienburg (FSR). Auch wenn es in der Politik regelmäßig diskutiert wird, gilt auf deutschen Autobahnen noch keine flächendeckende Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit. Wenn die Autobahn also frei ist und der Fahrer die Strecke unter Berücksichtigung seiner Geschwindigkeit übersehen kann, darf er auch schneller fahren. Allerdings ist in der Autobahn-Richtgeschwindigkeits-Verordnung des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 1978 die Empfehlung verankert, auf Autobahnen und vergleichbaren Straßen eine Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde einzuhalten. Die Richtgeschwindigkeit ist zwar nur eine Empfehlung, bei Überschreitung droht aber eine nicht unerhebliche Mithaftung im Falle eines Unfalls.

So hat das Oberlandesgericht Koblenz aktuell entschieden, dass wer auf der Autobahn die Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde mit 200 Kilometern pro Stunde um rund 60 Prozent überschreitet, an einem Unfall selbst dann eine Mithaftung trägt, wenn der andere einen groben Fehler gemacht hat. Bei einer solchen Geschwindigkeit sei es nämlich regelmäßig unmöglich, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und sich darauf einzustellen (Urt. v. 14.10.2013, Az. 12 U 313/13). Der Kläger war mit 200 Kilometern pro Stunde auf der linken Spur unterwegs. Der Unfallgegner fuhr ohne auf den herannahenden auf die Autobahn auf und zog über mehrere Fahrspuren hinweg direkt auf die linke Spur. Der Kläger konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und es kam zu Umfall. Das Gericht setzte die Mithaftung des Klägers trotz des eklatanten Verschuldens des Unfallgegners alleine wegen der hohen Geschwindigkeit mit 40 % an. Denn bei Einhaltung der Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde hätte der Unfall bereits durch eine mittelstarke Bremsung vermieden werden können. Ein Fahrer, der mit Erfolg die Unabwendbarkeit eines Unfalls geltend machen will, muss sich nämlich wie ein "Ideal-Fahrer" verhalten. Ein "Ideal-Fahrer" fährt aber nicht schneller als die Richtgeschwindigkeit.

Sind auch Sie in ein Unfallgeschehen verwickelt gewesen? Dann sollten Sie den Rat eines Rechtsanwaltes suchen. Dieser kann in Kenntnis der Gesetzeslage und Rechtsprechung Ihre Rechte geltend machen und alle notwendigen weiteren Schritte veranlassen. Wir, die Rechtsanwälte der Kanzlei Freudenberg | Steinseifer | Rohde in Oranienburg haben langjährige Erfahrung im Verkehrsrecht und freuen uns, Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte zu unterstützen.