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Besichtigungsrecht der Versicherung nach einem Unfall

Oranienburg (FSR). Nach einem Verkehrsunfall hat man als Geschädigter alle Hände voll zu tun. Regelmäßig ist es sinnvoll, den Schaden am eigenen Fahrzeug durch einen Sachverständigen begutachten zu lassen. Mit diesem Sachverständigengutachten können die Schäden am eigenen Fahrzeug bei der gegnerischen Versicherung geltend gemacht werden. Wiederholt fordern Versicherungen jedoch, dass sie das Fahrzeug selbst besichtigen dürfen, häufig, um den Schaden „kleinzurechnen“. Das Landgericht Lübeck hat nun entschieden, dass ein solches Recht zur Nachbesichtigung durch den Versicherer des Unfallgegners regelmäßig dann nicht besteht, wenn bereits ein Schadensgutachten gefertigt wurde (LG Lübeck, 16 O 19/12).

In dem zu entscheidenden Fall hatte der Kläger auf der Grundlage eines von ihm in Auftrag gegebenen Gutachtens seinen Schaden in Höhe der Reparaturkosten gegenüber der Beklagten abgerechnet. Diese forderte den Kläger auf, das Fahrzeug für eine Nachbesichtigung zur Verfügung zu stellen. Einzelne Position des Gutachtens könnten nicht nachvollzogen werden. Der Kläger stellte das Fahrzeug für eine Nachbesichtigung angesichts des Umstandes, dass bereits repariert worden war, nicht zur Verfügung. Dies musste er auch nicht, wie nun das Landgericht Lübeck entschied. Danach war der Kläger nicht verpflichtet, das beschädigte Fahrzeug für eine Nachbesichtigung zur Verfügung zu stellen. Dies ergebe sich auch nicht aus § 119 Abs. 3 Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Danach kann der Versicherer von einem Dritten nur Auskunft verlangen, soweit sie zur Feststellung des Schadensereignisses und der Höhe des Schadens erforderlich ist. Nach Auffassung des Gerichts, ist der Kläger diesen Verpflichtungen durch Zurverfügungstellung des Gutachtens und entsprechender Fotografien nachgekommen. Mehr kann von einem Geschädigten, der selbst kein Fachmann ist, nicht verlangt werden.

Im Ergebnis zeigt dieses Urteil mal wieder, dass Sie als Unfallgeschädigten nicht hilflos der Willkür der Versicherer ausgesetzt sind. Damit ihre Rechte umfassend wahrgenommen und durchgesetzt werden, sollten Sie die Regulierung eines Verkehrsunfalls in die Hände eines Anwalts legen. Dieser kann unter Berücksichtigung der Rechtsprechung ihre Rechte durchsetzen. Wenn Sie rechtsschutzversichert sind, ist die Vertretung durch den Rechtsanwalt für Sie kostenlos. Wir, die Rechtsanwälte der Kanzlei Freudenberg | Steinseifer | Rohde in Oranienburg haben langjährige Erfahrung im Verkehrsrecht und freuen uns, Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte zu unterstützen.