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Überhole mit Vorsicht!

Oranienburg (FSR). Viele werden es noch aus der Fahrschule kennen, das Überholen im Straßenverkehr ist nicht ganz einfach und auch nicht ganz ungefährlich. Dies ist auch dem Gesetzgeber bewusst, weshalb er in der Straßenverkehrsordnung geregelt hat, dass nur Überholen darf, wer übersehen kann, dass während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist. Überholen darf ferner nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt. Schließlich ist das Überholen unzulässig bei unklarer Verkehrslage oder wenn es durch ein angeordnetes Verkehrszeichen untersagt ist (§ 5 Abs. 2 und 3 StVO).

So weit so gut. Aber selbst wenn man sich an diese Vorgaben hält, ist nicht auszuschließen, dass es zu einem Unfall kommt. Mal wird zu früh eingeschert, mal fährt der Überholte zu weit links. Häufig ist die Konstellation dabei so, dass beide Unfallbeteiligten alleine in ihren Fahrzeugen saßen und sich trotz Hinzuziehung technischer Sachverständiger am Ende nicht aufklären lässt, wer den Unfall verursacht hat. Anders als in sonstigen Fällen, wo in solchen Fällen regelmäßig eine Haftungsteilung vorgenommen wird, hat das Oberlandesgericht Dresden nunmehr entschieden, dass wenn es im Zusammenhang mit einem Überholmanöver zu einer Kollision kommt und der Unfallhergang nicht aufklärbar ist, alleine die jeweiligen Betriebsgefahren der Fahrzeuge gegeneinander abzuwägen sind, wobei die Betriebsgefahr des Überholenden mit 65 % und die des Überholten mit 35 % anzusetzen ist (OLG Dresden, 7 U 1159/12). Das Gericht stellt darauf ab, dass der Unfall im Zusammenhang mit einem Überholvorgang stattgefunden hat. Hierbei seien die Sorgfaltspflichten des Überholenden, wie oben bereits dargestellt, sowie die besondere Gefährlichkeit dieses Geschehens dahingehend zu berücksichtigen, dass den Überholenden eine überwiegende Haftung treffe.