Top-back

Nachweis eines provozierten Auffahrunfalls!

Oranienburg (FSR). Wer auffährt, hat Schuld – ein bekanntes Sprichwort. Diese Unfallkonstellation eignet sich daher auch hervorragend für provozierte Unfälle.

So erging es einem Beklagten in einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Hamm (Entscheidung vom 11. März 2013, Az. I-6 U 167/12), der von dem Kläger auf Zahlung von Schadensersatz für einen Verkehrsunfall verklagt wurde, bei dem er dem Kläger aufgefahren war. Der Beklagte hatte bereits an der Unfallstelle den Verdacht geäußert, dass der Kläger durch eine grundlose Bremsung bei Dunkelheit vor einer grün anzeigenden Ampel den Unfall bewusst provoziert habe. Am Unfallort gab der Kläger an, vor einer roten Ampel angehalten zu haben. Vor dem Landgericht äußerte er sodann, dass die Ampel gerade von Grün auf Rot umgesprungen sei und er wegen eines herannahenden Radfahrers habe bremsen müssen. Letztlich erklärte er sodann vor dem OLG, sich nur auf den Radfahrer konzentriert und daher nicht auf die Ampel geschaut zu haben. Der Radfahrer selbst war als Zeuge geladen und gab – ebenso wie der Beklagte an – dass der Kläger grundlos vor der grünen Ampel gebremst habe. Weiterhin stellte sich heraus, dass am klägerischen Fahrzeug ein erheblicher Vorschaden vorhanden war.

Das OLG wies die Klage ab, da der Beklagtenseite der Beweis gelungen sei, dass der Unfall vom Kläger bewusst herbeigeführt wurde und er in seinen „Schaden“ eingewilligt habe. Zu diesem Schluss sei das Gericht im Rahmen einer Würdigung aller Indizien gekommen. Der Auffahrunfall selbst ist – aus Sicht des OLG Hamm – typisch für ein manipuliertes Unfallereignis und gut zu kontrollieren, insbesondere dann, wenn der Kläger bei Dunkelheit vor einer Lichtzeichenanlage abbremst. Dafür spricht weiterhin, dass der Kläger einen Vorschaden verschwiegen und den Schaden fiktiv abgerechnet hat. Von entscheidender Bedeutung ist für das OLG Hamm jedoch, dass der Kläger sich bei seinen Unfallschilderungen in Widersprüche verwickelt und letztlich sogar drei unterschiedliche Unfallversionen zum Besten gegeben hat.